Osteoporose: Nicht nur eine Alterserkrankung

OrthopädieZentrum
Dr. med. Knut Behle
 
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PROTOKOLL

Osteoporose: Nicht nur eine Alterserkrankung

Lucy: Gibt es einen allgemeinen Osteoporosetest? Z.B. einen Bluttest, der weniger aufwändig ist, als eine Knochendichtemessung?

Dr. med. Knut Behle: Einen spezifischen Bluttest, der eine Osteoporose beweist oder ausschließt, gibt es nicht. Es gibt lediglich eine empfohlene Basisdiagnostik, die sogen. sekundäre Osteoporosen mit einem Labortest weitgehend ausschließt. Die DEXA-Messung ist nach wie vor der Goldstandard bei der Diagnostik der Osteoporose. Er bildet gleichzeitig die Basis für verschiedene Therapieempfehlungen.

Peterrose: Meine Frau ist in den Wechseljahren schwermütig geworden und nimmt täglich Tabletten dagegen ein. Haben wie Antidepressiva einen osteoporotischen Effekt? Wäre nicht gut, denn ihre Knochen sind ohnehin nicht so stabil. Sie hatte mehrere Bein- und Armbrüche in den letzten 25 Jahren.

Dr. med. Knut Behle: In den sogen. Wechseljahren werden durch verschiedene Hormonumstellungen auch häufig Befindlichkeiten erheblich gestört. Tatsächlich ist es so, dass sowohl eine Depression, als auch verschiedene Medikamente gegen eine Depression eine Osteoporose begünstigen können. Hier sollten in jedem Falle, wenn eine medikamentöse Therapie unumgänglich ist, Medikamente gewählt werden, die einen möglichst geringen Enfluss auf die Knochendichte haben. Zusätzlich wäre aber auch eine Knochendichtemessung vor dem Hintergrund der bereits abgelaufenen Brüche hier zu empfehlen. In Abhängigkeit von dem Ergebnis der Knochendichtemessung könnten dann Therapien zum Schutz der Knochen eingeleitet werden.

Neffin: Gibt es eine wirklich zuverlässige Osteoporose Vorbeugung?

Dr. med. Knut Behle: Die Vorbeugung spielt bei der Verhinderung der Osteoporose sogar die wesentliche Rolle. Insbesondere die Ernährung und der Lebensstil haben einen erheblichen Einfluss. Bewegungsarmut und Nikotinkonsum haben einen negativen Einfluss auf die Knochendichte. Kalzium- und Vitamin-D-reiche Ernähung und körperliche Aktivität üben einen positiven Einfluss auf die Knochendichte aus.

Corinna: Was ist eine sekundäre Osteoporose?

Dr. med. Knut Behle: Eine sekundäre Osteoporose ist eine Osteoporose, bei der andere Erkrankungen die Hauptursache für die Verminderung der Knochenmasse sind. Beispielsweise wäre hier die Überfunktion der Schilddrüse zu nennen. Ebenso spielt der insulinpflichtige Diabetes mellitus Typ 1 eine wichtige Rolle. Auch verschiedene Bluterkrankungen führen zu einer Verminderung der Knochendichte. Bei den medikamentös verursachten Osteoporosen spielt sicherlich der langfristige, hochdosierte Kortisongebrauch die Hauptrolle.

Martin-Noetzel: Was passiert im Knochen bei einer Osteoporose? Sind da dann echte Löcher im Knochen?

Dr. med. Knut Behle: Grundsätzlich beinhaltet der Knochenstoffwechsel einen Knochenaufbau und einen Knochenabbau, die sich beim gesunden Menschen die Waage halten. Bei einer Osteoporose ist dieses Gleichgewicht zu Gunsten des Knochenabbaus verschoben. Das bedeutet, dass der Knochenabbau fortschreitet und in der Tat im Knochen kleine Löcher hinterlässt. Daher leitet sich auch der Begriff der Osteoporose ab.

Steinbeck: Wieso wirkt sportliche Betätigung gegen Osteoporose? Ist dieser Effekt wissenschaftlich belegt?

Dr. med. Knut Behle: Es gibt eine Vielzahl von Studien, welche den positiven Effekt der körperlichen Aktivität belegen. Sowohl der Aufbau von Muskelkraft, als auch die Verbesserung der Koordination führen zu einer deutlichen Reduktion von Unfällen und den bisweilen damit verbundenen Brüchen. Dieser Effekt ist auch bis ins hohe Alter nachgewiesen.

Julie-Moser: Wegen Kortisongaben bei Notfällen durch den Notarzt (Asthma) habe ich Angst vor Knochenentkalkung. Spätestens in den Wechseljahren (jetzt 41J). Normalerweise nehme ich keine Kortisonmedikamente, aber regelmässig Spray. Da komme ich auch nicht von runter. Kann ich vorbeugend was machen?

Dr. med. Knut Behle: Bei der negativen Auswirkung von Kortison auf den Knochenstoffwechsel und die Begünstigung der Osteoporose spielt die permanente Gabe von Kortison als Tablette die herausragende Rolle. Eine gelegentliche hochdosierte Kortisongabe wie beim Asthmaanfall ist normalerweise unschädlich. Auch die regelmässige Benutzung von Kortisonsprays ist bis 2.000µ pro Tag in aller Regel unbedenklich. Grundsätzlich wäre zur Vorbeugung am günstigsten, wenn Sie von der regelmässigen Kortisoneinnahme abrücken könnten. Dies wird aber in der Regel nicht toleriert. Für Sie wäre insbesondere die körperliche Aktivität, die Ihnen das Asthma erlaubt, zu empfehlen.

Jula: Meine Mutter (81) hatte vor 5 Wochen einen Oberschenkelhalsbruch. Wir alle wissen, wie gefährlich das für sie ist, über den eigentlichen Bruch hinaus. Meine Mutter und auch für uns als Familie geht es darum, sie einerseits zu beruhigen, andererseits dafür zu sorgen, dass sich daraus keine weiteren Erkrankungen ergeben. Aber wie macht man das? Durch die Phase, wo eine Lungenentzündung eine akute Gefährdung darstellt, ist sie wohl durch. Wird sie wieder in ihre eigene Wohnung können? Wie können wir Vorsorge tragen für sie? Es gibt so viel zu bedenken.

Dr. med. Knut Behle: Die Situation, die Sie beschreiben, geschieht leider noch viel zu häufig in Deutschland. In der Regel kann man das operative Verfahren nach so einem Bruch häufig sehr gut und verhältnismässig schonend gestalten. In jedem Falle ist die knochengesunde Ernährung sowie ein zügiges Heranführen an die Selbständigkeit wichtig. Unbehandelt erleiden leider viele Patienten im Jahr nach der ersten Fraktur bereits eine weitere Fraktur, die naturgemäss häufig sehr viel schwieriger zu behandeln ist. Günstigerweise beginnt man mit der Therapie gleich in der anschließenden Rehamaßnahme, um vor allem die Gefahr der längeren Bettlägerigkeit zu vermeiden.

Novikova: Zu Osteoporose-Medikament - Wie kann ein Wirkstoff ein bestimmtes Protein beeinflussen und dadurch den Knochenaufbau sichern?

Dr. med. Knut Behle: Es gibt verschiedene Osteoporose-Medikamente, die an unterschiedlichen Stellen in den Knochenstoffwechsel eingreifen. Es gibt Medikamente, die unmittelbar am Knochen eine Wirkung entfalten. Desweiteren stehen aber auch Medikamente zur Verfügung, die direkt in den molekularen Signalweg des Knochenstoffwechsels eingreifen. Z.B. wirken monoklonale Antikörper hemmend auf Zellen ein, welche den Knochenabbau fördern.

Gerda: Mein Orthopäde sagt, ich soll künftig Spritzen bekommen, damit die Osteoporose nicht weiter voranschreitet. Finde ich gut. Allerdings verstehe ich nicht, warum jetzt und warum nicht schon früher. Wann fängt man damit sinnvollerweise an?

Dr. med. Knut Behle: In der Tat stehen Injektionspräparate zur Verfügung, deren positver Einfluss auf die Knochendichte nachgewiesen ist. Diese sind meist sehr gut verträglich und haben wenig unerwünschte Wirkungen. Sinnvollerweise fängt man mit einer sogen. spezifischen Therapie an, wenn das Frakturrisiko bereits erhöht ist. In Abhängigkeit der Vorgeschichte, der Begleiterkrankungen, des Alters und des Geschlechtes wird hier eine entsprechende Therapie eingeleitet.

Xeni_Weberson: Kriegt jede Frau Osteoporose nach den Wechseljahren?

Dr. med. Knut Behle: Grundsätzlich bekommt selbstverständlich nicht jede Frau nach den Wechseljahren eine Osteoporose Hier sind verschiedene Faktoren wichtig. Zum einen ist es die maximale Knochenmasse, die Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr etwa erreichen. Zum anderen spielen Begleiterkrankungen eine wesentliche Rolle. In den Wechseljahren ist durch denn Wegfall des Östrogenschutzes auf den Knochen das Osteoporoserisiko erhöht.

DoritMenge: Meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass ich eine gute Körperhaltung hatte als Kind und als Jugendliche. Ich fand das natürlich total blöd. Heute bin ich ihr dankbar! Aber: ich bin ein ungeduldiger Mensch, will Dinge immer schnell machen, dazu gehört auch eine leichte Vorlage in der Körperhaltung. Bilde ich mir den Zusammenhang mit meiner Ungeduld nur ein, oder ist diese Vorlage dem Alter geschuldet? Ich bin 63 Jahre alt.

Dr. med. Knut Behle: Eine leichte Haltung in Vorneige kann selbstverständlich auch im Ungleichgewicht von Muskelpartien bestehen. Dies ist nicht zwingend mit einer Osteoporose vergesellschaftet. Sollten Sie jedoch zusätzlich an Körperhöhe eingebüßt haben, kann das ein erstes Zeichen für eine Osteoporose darstellen. Hier hilft bereits eine klinische Untersuchung und eine Röntgenaufnahme weiter. Sollte sich aus der Kombination der Befunde dann doch der Verdacht einer Osteoporose ergeben, wäre eine Knochendichtemessung zu empfehlen.

Holger: Bei meiner Mutter wurde mit 72 Jahren ein Osteoporose erst recht spät diagnostiziert. War schon ziemlich fortgeschritten. Jetzt bekommt sie eine Spritzentherapie, die offenbar gut wirkt. Interessant ist, dass sie seither viel aktiver geworden ist. Kann das sein, oder bilden wir uns das nur ein?

Dr. med. Knut Behle: Der Versorgungsgrad bei Osteoporosepatienten ist in Deutschland noch relativ gering. Insofern ist bei Ihrer Mutter möglicherweise noch rechtzeitig eine Therapie eingeleitet worden. Die zur Verfügung stehenden Therapieformen bewirken häufig eine schnelle Stabilisierung der Knochendichte. Langfristig kann sogar eine leichte Zunahme erreicht werden. Durch Wegfall mancher lästiger Begleiterscheinungen kann durch die knochenstabilisierende Therapie auch wieder Lebensqualität zurückgewonnen werden. Deshalb ist Ihre Beobachtung sicherlich richtig und positiv.

Kleiber: Meine Schwiegermutter hat ganz heftige Osteoporose. Ich konnte meinen Mann überreden bereits ab 40 J in eine 5-Jahreskontrolle zu gehen. Das klappt gut, aber wie geht die Vererbungslinie wirklich? Wie gefährdet sind z.B. unsere drei Töchter 13, 15, 17?

Dr. med. Knut Behle: Die familiäre Häufung ist ganz sicher einer der wesentlichen Risikofaktoren. Eine Knochendichtemessung bei einem 40jährigen Mann ist sicherlich ungewöhnlich, weil es kaum sichere Vergleichsdaten gibt. Eine eigentliche Erbkrankheit ist die Osteoporose nicht. Deshalb kann im strengen genetischen Sinne nicht von einer Erbkrankheit gesprochen werden. Bei Ihren Töchtern spielt es eine wesentliche Rolle, welche individuelle Lebensführung sie haben. Sicher spielt hier die knochengesunde Ernährung, der Lebensstil und die körperliche Aktivität eine wesentliche Rolle, um eine möglichst hohe Knochenmasse zu erreichen. Ein charakteristischer Risikofaktor für das Alter Ihrer Töchter stellt die Anorexia dar. 

Miroslav_Kravan: Welchem Verfahren zur Knochendichtemessung kann ich vertrauen?

Dr. med. Knut Behle: Es stehen ganz unterschiedliche Verfahren zur Knochendichtemessung zur Verfügung. Neben der quantitativen Computer-Tomographie und der Ultraschallmessung steht ganz im Vordergrund der Knochendichtemessungen das DEXA-Verfahren. Dies ist das einzige Verfahren, nach dem die Einteilung der Osteoporse nach WHO möglich ist. Auch stellt dieses Ergebnis eine wesentliche Grundlage für eine Therapieentscheidung dar.

stemmann: Um wie viel kann sich durch das Zusammensacken der Wirbel die Körpergröße reduzieren? Macht mir gerade Angst. Merke an meinen Hosen, dass ich kleiner werde. Sie stoßen auf den Schuhen auf und werfen eine kleine Falte. Hat aber sonst noch niemand was gesagt, ist also offenbar noch nicht wirklich auffällig.

Dr. med. Knut Behle: Man muss grundsätzlich zwei verschiedene Mechanismen unterscheiden. Auf der einen Seite kommt es durch den Wasserverlust der Bandscheiben im Laufe des Lebens zu einer Reduktion der Körpergröße. Diese Differenz bewegt sich aber in der Regel im Bereich von einigen Zentimetern. Der Zusammenbruch mehrerer Wirbel, wie es das bei fortgeschrittener Osteoporose häufig gibt, führt zu einer deutlich höheren Reduktion der Körpergröße und häufig parallel noch zu einer Buckelbildung.

Olga_Pasterak: Lerne gern dazu, wenn andere mehr wissen und muss nicht die gleichen Fehler wiederholen, die andere schon gemacht haben. Wenn ich den allgemeinen Empfehlungen und denen von Dr. Behle im Speziellen folge, bleibt mir dann eine Osteoporose wirklich erspart?

Dr. med. Knut Behle: Wenn Sie die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention bzgl. der Ernährung, Lebensstil und körperlichen Aktivität beherzigen und keine anderen Erkrankungen haben, die einen negativen Einfluss auf die Knochenmasse haben, können Sie weitgehend sicher sein, dass zur Prävention der Osteoporose alles getan ist.

Mobil: Es gibt Krankheiten, die hören auf, wenn man nur alt genug wird z.B. Epilepsie. Gibt es auch umgekehrt Krankheiten, die man in jedem Fall bekommt? Gehört Osteoporose dazu?

Dr. med. Knut Behle: Es gibt in der Medizin Krankheitsbilder, die in unterschiedlichen Phasen des Lebens häufiger oder weniger häufig auftreten. So treten die sogen. Kinderkrankheiten - wie der Name schon sagt - gehäuft im Kindesalter auf, während andere Erkrankungen von der Häufigkeit im Alter her zunehmen. Hierzu gehören sicherlich der Bluthochdruck und die Osteoporose. Es gibt weder eine Gewissheit, eine Erkrankung nicht zu bekommen, noch eine Krankheit mit Sicherheit zu bekommen.

Justus Haber: Ich denke seit einiger Zeit darüber nach, warum ich in Abständen von meiner Mutter höre, dass sie stolpert. Einmal ist sie schon hingefallen. Das kenne ich gar nicht von ihr! Sie ist 73 Jahre und mich beunruhigt das. Sie hat nie gesagt, dass ihr schwindlig ist o.ä. Ist das Teil des älter werdens? Ich mache mir große Sorgen, bisher ist nichts passiert, aber sie hat eine Osteoporose im Übergang von beginnend bis ausgeprägt. Zwei Fragen: Was muss getan werden, wie spreche ich mit ihr darüber? Wann ist ein stärkeres Medikament erforderlich?

Dr. med. Knut Behle: Zunächst ist die Häufigkeit von Stürzen nicht immer ein Zeichen für eine fortgeschrittene Osteoporose. Allerdings ist eine zunehmende Sturzhäufigkeit sicher ein Alarmzeichen. Es gibt keine Sicherheit, dass diese Stürze immer glimpflich ausgehen. Hier sollte in jedem Falle eine Testung erfolgen. Es gibt hier einfache sogen. Assessments z.B. den "Chair-Rising-Test", oder den "Tandemstand". Ob ggf. eine Anpassung der Osteoporosemedikation erforderlich ist, muss durch eine Kontrolluntersuchung der Knochendichte ermittelt werden. Sollte unter einer medikamentösen Therapie es zu einer Fraktur kommen, oder die Knochendichte deutlich absinken, wäre in der Tat eine Anpassung der Medikation zu überlegen.

EBI: Wie können Wirbelbrüche unbemerkt und fast schmerzfrei vorkommen? Das ist für mich überhaupt nicht vorstellbar. Ab wann sollte meine Mutter zum Gynäkologen oder Orthopäden zur Vorkontrolle? Ich muss sie erinnern, sonst wird das nichts.

Dr. med. Knut Behle: Die Wirbelbrüche bei einer Osteoporose bleiben häufig für eine längere Zeit unbemerkt, da sie häufiger die Vorderkante des Wirbelkörpers betreffen. Hierbei sinkt die Vorderkantenhöhe häufig langsam. Man kann sich das in etwa so vorstellen, als ob man sich auf die Vorderkante eines Umzugskartons setzt. Hierbei wird dann tatsächlich die Kante leicht beschädigt, der Karton behält trotzdem noch seine Stabilität. Dies ist die häufigste Ursache für eine osteoporotisch bedingte Fraktur. Bei einer Sturzfolge tritt häufig der Schmerz unmittelbar auf. Eine Diagnostik sollte in jedem Fall erfolgen, wenn ein ausreichender Verdacht auf eine Osteoporose besteht. Hier ist dann das sogen. Basislabor und eine DEXA-Messung empfehlenswert.

Horsthetzer: Habe die Diagnose Osteoporose erhalten und kann das schlecht akzeptieren. War/ist für mich eine Frauenkrankheit. Nun ist umdenken angesagt und das fällt mir schwer. Gegenwärtig bin ich beim Urologen, der das als Nebendiagnose festgestellt hat. Aber da kann ich nicht bleiben. Was ist für mich richtig, ein Orthopäde? Am liebsten würde ich zu meinem Hausarzt gehen zur weiteren Behandlung. Was sagt der Experte?

Dr. med. Knut Behle: Sie sprechen eine häufige Fehleinschätzung dankenswerterweise an. Oft wird die Osteoporose als ausschließliche Erkrankung der älteren Frau wahrgenommen. Das führt häufig dazu, dass eine Osteoporose beim Mann erst verhältnismäßig spät diagnostiziert wird. Nachdem Ihr Urologe glücklicherweise seinen Blick darauf gerichtet hat, können Sie nun unverzüglich mit der Therapie beginnen. Zu welchem Facharzt Sie sich begeben, ist zunächst zweitrangig. Der konsultierte Arzt sollte allerdings ausreichende Fachkenntnisse in der Diagnostik und der Therapie der Osteoporose besitzen. Es wäre für sie vielleicht hilfreich, einen Osteologen in Ihrer Nähe aufzusuchen. Adressen hierzu bekommen Sie von Ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung oder unter www.dv-osteologie.org.

Annika_Heske: Plötzlich haben alle um mich herum Osteoporose. Das spielt sich offenbar zunächst meist unerkannt ab. Da kommt man schon ins Grübeln. Bekommt man grundsätzlich im höheren Lebensalter eine Osteoporose und nur weil viele sterben bevor dies erkannt wird sind die Statistiken besser, als die Situation real ist?

Dr. med. Knut Behle: Häufig wird die Osteoporose erst manifest, wenn es zu einem Bruch kommt. Die Häufigkeit der Osteoporose nimmt naturgemäß mit dem Alter zu. Es ist dennoch keineswegs so, dass alle Menschen im hohen Alter deswegen automatisch eine Osteoporose bekommen. Grundsätzlich ist es in Deutschland eher so, dass eine Osteoporose viel zu selten diagnostiziert wird. Insofern muss man von einer relativ hohen Dunkelziffer ausgehen.

Katte: Ich bin 68 Jahre und bekomme seit 2 Jahren 2xim Jahr Spritzen gegen Osteoporose. Das erspart mir das tägliche Einnehmen von Tabletten. Wunderbar. Dennoch denke ich darüber nach, ob das jetzt dauerhaft so weitergehen muss, oder ob ich die auch irgendwann wieder absetzen kann. Wie lange macht man so eine Therapie?

Dr. med. Knut Behle: Sie sprechen eine Situation an, die in den letzten Jahren häufiger Gegenstand wissenschaftlicher Forschung war. Offenbar erhalten Sie zwei Mal pro Jahr Denosumab. Diese Therapieform ist, wie Sie richtig schreiben, sehr bequem und wirksam. Zusätzlich ist sie auch arm an unerwünschten Wirkungen. Bei dieser Therapie sollte man keine Pause machen bis das Frakturrisiko in einen normalen Bereich reduziert wurde.

Sabri_Nöhr: Meine Mutter ist 87 Jahre und wohnt noch allein. Als Hilfe habe ich ihr eine Sortierbox für Medikamente, darunter auch Osteoporose-Medikamente eingerichtet. Aber ich kann sie nicht davor schützen, wieder zu stürzen. Gepolsterte Hosen will sie nicht tragen. Was kann ich noch tun?

Dr. med. Knut Behle: Sie haben die Situation schon ziemlich gut eingegrenzt. Wichtig ist tatsächlich die gesicherte Einnahme der Osteoporosemedikamente. Sollte die Einnahme in Tablettenform nur unzuverlässig erfolgen, wäre ggf. eine Umstellung auf ein Injektionspräparat hilfreich. In der Wohnung ihrer Mutter wäre es sehr wichtig, möglichst alle Stolperfallen zu beseitigen. Hierzu zählen insbesondere Teppichkanten, Telefon- oder Stromkabel und nicht standfeste Gegenstände. Eine regelmäßig Bewegung, z.B. in Gestalt gemeinsamer Spaziergänge, kann eine hilfreiche Aktivität darstellen. Polsterhosen können im Einzelfall sehr hilfreich sein. Vielleicht können Sie Ihre Mutter ja doch davon überzeugen.

Martapanicz: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich (46J.) kaum noch Zeit für andere Dinge habe, als mich um meine Gesundheit zu kümmern. Wunderbar, dass es so viele Tipps gibt, aber ich bin voll berufstätig und habe Familie. Ich wünsche mir realistische Tipps, was ich tun kann, um Osteoporose in den Wechseljahren vorzubeugen? Schwimmen ist zu zeitaufwändig. Der Tag hat halt nur 24 Stunden.

Dr. med. Knut Behle: Sie sprechen ein häufiges Phänomen an, das uns in der Praxis häufig begegnet. Wenn Sie für eine ausgewogene Ernährung sorgen und sich in jeder Woche Zeit nehmen, um körperlich aktiv zu sein, haben Sie schon eine Menge für sich getan. Für gewöhnlich reichen zwei bis drei Stunden körperliche Aktivität pro Woche aus. Häufig muss man sich diese Zeit aktiv reservieren und nicht darauf warten, dass man diese Zeit bekommt. Wenn Sie es einrichten können, ggf. auch mit Partner und Freunden dies durchführen, haben Sie schon sehr viel insgesamt gegen die Osteoporose realisiert.



Ende der Sprechstunde.