Tabuthema Hämorrhoiden - Wir sprechen drüber!

Evangelisches Krankenhaus Lutherhaus
Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Schmidt
ärztlicher Leiter
Chirurgische Klinik I – Allgemein- und Viszeralchirurgie
Hellweg 100
45276 Essen
Tel.: 02 01/ 805 18 41
Fax: 02 02/ 805 21 84
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Schwerpunkte
•    Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie, Proktologie
•    Viszeralchirurgische Operationen
      Eingriffe an Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse, Dickdarm, Enddarm
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•    Proktologie
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      Therapie der malignen Erkrankungen des Afters

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PROTOKOLL

Tabuthema Hämorrhoiden - Wir sprechen drüber!

anonym : Können Hämorrhoiden sich zu einem Tumor oder zu Krebs entwickeln?

PD DR. SCHMIDT : Hämorrhoiden sind Gefäßaussackungen am After, die dort notwendig sind, weil sie zur Feinabdichtung des Schließmuskelapparates dort von der Natur vorgesehen worden sind. Wenn wir diese Hämorrhoiden nicht hätten, dann würde uns flüssiger Stuhl oder Flüssigkeit um den Stuhl herum ständig aus dem After herauslaufen. Also, das ist ein Normalzustand. Vergrößerte Hämorrhoiden sind krankhaft. So zur Frage: Hämorrhoiden verwandeln sich nie zu einem Tumor oder einem Krebs, dennoch gibt es Krebserkrankungen, die parallel zu Hämorrhoiden auftreten können. Deshalb empfiehlt es sich immer, bei Veränderungen im After, egal ob gefühlt oder vermutet, einen Arzt aufzusuchen.

Axel : Wie oft kann eine Verödung bei Hämorrhoiden I. Grades durchgeführt werden?

PD DR. SCHMIDT : Die Verödung ist bei Hämorrhoiden I. Grades sinnvoll, wir führen diese Form der Therapie nie mehr als dreimal durch. Diese Therapie erfolgt in Abständen von zwei bis vier Wochen. Wenn der Patient innerhalb dieses Zeitraumes keine Verbesserung seines Zustandes hat, würden wir einen Therapiewechsel empfehlen. Das Verfahren kann bei Erreichen einer gewissen Symptombesserung beliebig wiederholt werden. Es gibt hier keine wissenschaftlich belegte Grenze, dennoch würde ich mehr als 10 pro Jahr nicht durchführen.

JosefNauseef : Wann kann ich wieder Rad fahren nach einer Longo-Operation?

PD DR. SCHMIDT : Ich rate meinen Patienten, egal welches Verfahren ich einsetze (also auch Longo), zu einem vorsichtigen Wiederaufnehmen der körperlichen Aktivitäten. Dies bedeutet: Sportliche Betätigung - insbesondere auch Radfahren - nicht vor 14 Tagen nach der Entlassung, besser vier Wochen warten.

coolman : Habe seit ca. 3 Jahren immer wieder Probleme mit Hämorrhoiden. War deshalb aber noch nie beim Arzt...kein Bluten etc. Nachdem ich nun Weißwein und Champagner getrunken habe, geht es zur Sache. Laienhaft ausgedrückt befinden sich nun daumendicke "Knoten oder Geschwulste" an meinem Anus, die weder nass noch sonst etwas sind. Ein bisschen Creme drauf, und auch das Jucken ist wieder weg. Das ist schon öfter vorgekommen, die "Knoten" bilden sich dann aber wieder größtenteils zurück. Was muss ich tun?? Ich bin beruflich äußerst engagiert (selbständig) und habe keine Zeit für einen Krankenhausaufenthalt. Kann man das auch ambulant beseitigen lassen? Und wenn ja, zu welchem Arzt, bzw. Spezialisten muss ich gehen? Ich bin 45 Jahre alt, sonst sehr gesund, habe sicherlich zuwenig Bewegung und bin praktisch nie beim Arzt.

PD DR. SCHMIDT : Das Beschwerdebild das beschrieben wird, passt sehr gut zu einem sog. Mucosa Prolaps, also einem vorübergehenden Einklemmen von Schleimhaut aus der Afterregion, die seine Ursache in der Hämorrhoidalerkrankung hat. Ganz typisch ist das Auftreten von Beschwerden nach Genuss von Alkohol, der genaue Mechanismus ist nicht bekannt, aber es scheint hier durch eine Entspannung, die natürlich auch in den Muskeln des Beckenbodens eintritt, zu einem Heraustreten der Schleimhaut zu kommen. Der zuständige Spezialist sollte entweder ein Proktologe oder eine Gastroenterologe sein, der die Proktologie ausweist. Die Therapie richtet sich je nach Befund. Sollte es sich um einen großen Mucosa Prolaps handeln, würde ich Ihnen primär den operativen Eingriff empfehlen.

Andy : Wie sieht die Behandlung aus, wenn eine Analfissur mehrere Wochen besteht, etwas besser wurde, aber dann erneut starke Schmerzen und mit der Zeit auch starken Juckreiz verursacht? Und wie werden die gleichzeitig vorliegenden Hämorrhoiden Grad I behandelt?

PD DR. SCHMIDT : Die sog. Analfissur hat aufgrund der starken Beschwerden immer Vorrang vor der Behandlung von Hämorrhoiden. Die Therapie der Analfissur, wenn sie das erste Mal auftritt, sollte immer konservativ sein, also z. B. eine Therapie mit einer nitrathaltigen Salbe beinhalten, oder, wie wir es durchführen, mittels einer Dehnungsbehandlung erfolgen. Die Dauer sollte mindestens drei bis vier Wochen sein, ist nach diesem Zeitraum keine wesentliche Besserung eingetreten, kann man in einer kurzen Narkose den Schließmuskel dehnen und damit zu einer vorübergehenden Störung des Muskels selbst kommen, was wiederum eine Schmerzlinderung verursacht. Hämorrhoiden I. Grades sind sehr häufig bei der Analfissur mit zu beobachten und würden immer erst im Anschluss an eine erfolgreiche Therapie an die Fissur angegangen werden.

Bernd : Sollten Hämorrhoiden Grad I, wenn diese hin und wieder jucken und leichtes Bluten verursachen, behandelt werden? Wenn ja, wie sieht die Behandlung aus?

PD DR. SCHMIDT : Die typischen Beschwerden von Hämorrhoiden I. Grades sind die leichte Blutung und manchmal der Juckreiz. Die klassische Behandlung besteht zunächst einmal in der Änderung der Lebensgewohnheiten: Möglichst Verzicht auf Alkohol, Kaffee und Rauchen, des Weiteren regelmäßige Beifügung von Ballaststoffen zur Nahrung und viel Trinken (Wasser, Tees). Therapeutisch würde eine sog. Verödungstherapie durchgeführt werden können (ambulant) und unter Umständen eine Unterbindung der zuführenden Gefäße an den Hämorrhoiden (sog. HAL-Therapie).

Jahn : Hallo, ich bin 40 Jahre alt und habe seit mehreren Jahren Hämorrhoiden 3. Grades. Dies wurde mir auch bei einer ärztlichen Untersuchung bestätigt. Sie treten nur beim Stuhlgang nach außen und lassen sich dann leicht wieder nach innen schieben. Ich habe keinerlei Beschwerden, kein Jucken, nichts. Von meinem eigenen Gefühl heraus halte ich eine Operation für unnötig, weil es weder stört, schmerzt oder blutet. Der Arzt hat mir jedoch zu einer Operation geraten. Kann ich damit so weiterleben? Ich habe eigentlich nur einen Juckreiz. Gibt es da nicht eine Creme die man anwenden kann?

PD DR. SCHMIDT : Ihr Arzt hat Ihnen die richtige Empfehlung gegeben, denn bei drittgradig vergrößerten Hämorrhoiden hilft nur das operative Vorgehen. Die Stapler-Operation ist durch die geringe postoperative Schmerzentwicklung für viele Patienten dann eine zusätzliche Möglichkeit, die Angst vor einem Eingriff abzulegen. Unabhängig davon müssen Sie natürlich ohne Beschwerden kein Verfahren über sich ergehen lassen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Beschwerden häufiger auftreten und schlimmer werden und wenn dann irgendwann das Stadium IV erreicht ist, das chirurgische Verfahren in der Regel ausgedehnter sein muss. Ich rate meinen Patienten auch, eher im Stadium III operieren zu lassen, da dies in der Regel mit den geringsten Nebenwirkungen möglich sein wird. Es gibt keine Creme, die man bei Hämorrhoiden III. Grades sinnvoll einsetzen kann.

Löhndorff : Seit der Geburt meiner ersten Tochter vor einem Jahr habe ich verstärkt mit dem Hämorrhoiden-Problem zu kämpfen. Ich leide nicht an Juckreiz und habe auch keine stechenden, ziehenden oder brennenden Schmerzen, lediglich Nässen und die Geschwülste sind äußerlich sicht- bzw. fühlbar. Sollte ich einen Arzt aufsuchen oder kann ich es erst einmal mit einer Selbstmedikation versuchen? Wenn ja, welches Medikament empfehlen Sie mir? Anmerkung: Ich habe vor meinem Hausfrauen-Dasein eine sitzende Tätigkeit ausgeübt, treibe für meine Begriffe ausreichend Sport (allerdings in erster Linie Reiten), trinke ausreichend und ernähre mich ballaststoffreich.

PD DR. SCHMIDT : Die Basis für eine sinnvolle Therapie haben Sie bereits geschaffen durch Ihre Lebensweise, allerdings haben Frauen, die Kinder zur Welt gebracht haben, relativ häufig im Anschluss an die Geburt Beschwerden mit den Hämorrhoiden. Solange keine stärkeren Beschwerden im Vordergrund stehen, kann der Versuch gemacht werden mit einer z. B. hamamelis-haltigen Salbe zu therapieren. Es gibt eine ganze Reihe von Salben, die Linderung schaffen können. Allerdings rate ich von einem längeren Gebrauch von spezifischen Salben (z. B. mit Cortison, mit Antibiotika, mit entzündungshemmenden Substanzen) ab. Sie sollten in jedem Fall einen Proktologen oder Gastroenterologen aufsuchen, um nicht eine andere Erkrankung zu übersehen.

Sina : Welche Schmerzmittel helfen bei Hämorrhoiden?

PD DR. SCHMIDT : Es gibt zwei Verfahren, die als Schmerzmittel in der akuten Situation hilfreich sind: 1. Kühlung (z. B. mit Eis oder Cool-Pads), als weiteres Schmerzmittel empfehlen wir, zumindest bei akuten Beschwerden, die Einnahme Ibuprofen. Es sollte auf keinen Fall ein cortisonhaltiges Präparat genommen werden.

anonym : Welcher Facharzt ist für diese Krankheit zuständig?

PD DR. SCHMIDT : Der Facharzt, der für die Hämorrhoidalerkrankung zuständig ist, sollte ein Chirurg sein, der als Proktologe ausgewiesen ist. Alternativ auch ein Gastroenterologe (Internist), der diese Ausbildung nachweisen kann. Es gibt Hautärzte, die, solange sie dieses Verfahren als Zusatzausbildung mit anbieten können, ebenfalls sehr gute Erfahrungen in der Therapie dieser Erkrankung haben. Unabhängig davon gibt es eine Reihe von Hausärzten, die Erfahrungen mit den Hämorrhoidalerkrankungen haben, diese dürfen natürlich hier auch therapeutisch tätig werden.

Zwolle : Kann man das auch alles wieder umdrehen, ich meine dass man etwas gegen die Hämorrhoiden macht und dann gehen sie wieder weg, oder geht das gar nicht?

PD DR. SCHMIDT : Wenn ich dir Frage richtig verstehe, meinen Sie, ob man die Veränderungen, die an den Hämorrhoiden aufgetreten sind, wieder so normalisieren kann, dass die Beschwerden komplett weggehen. Die Ursache für die Beschwerden, die durch Hämorrhoiden entstehen, sind ein Herabrutschen der Schleimhaut im Enddarm, dieses Herabrutschen kann man nur durch einen operativen Eingriff wieder mehr oder weniger normalisieren, gelingt dies, sind die Beschwerden auch komplett verschwunden.

Axel : Welche Behandlungsmöglichkeiten außer der Verödung bei Hämorrhoiden Grad I gibt es sonst noch?

PD DR. SCHMIDT : Die Therapie von Hämorrhoiden Grad I ist normalerweise die Änderung von Lebensgewohnheiten (Regelmäßiges Essen, Ballaststoffe, viel Trinken, viel Bewegung, auf die Toilette gehen, nur wenn man auch muss). Therapeutisch ist die Verödungstherapie das Verfahren der ersten Wahl. Es gibt noch die Möglichkeit der sog. Arterienligatur (HAL). Hierbei werden die speisenden Gefäße der Hämorrhoiden mit einem Faden unterbunden. Dieses Verfahren ist ambulant durchführbar und hat eine Erfolgswahrscheinlichkeit von ca. 65 bis 70 %. Dieses Verfahren wird jedoch nicht von jedem Proktologen angeboten. Es gibt noch die Möglichkeit einer sog. Analdehnungstherapie mit einem Kühlstab, die Erfolgsrate liegt hier ebenso bei 60 bis 70 %.

anonym : Welche Grade er Erkrankung gibt es denn? Wie unterscheidet man das?

PD DR. SCHMIDT : Die Hämorrhoidalerkrankung unterteilt man in vier Grade: Grad I sind die sog. inneren Hämorrhoiden, sie äußern sich überwiegend durch Blutung. Grad II sind Hämorrhoiden, die unter Pressen sichtbar werden im Afterbereich, sich jedoch selbständig wieder zurückziehen. Hier stehen auch die Blutung und auch manchmal Juckreiz und Brennen im Vordergrund. Grad III sind Hämorrhoiden, die unter Pressen durch den After hervortreten und dann dort zunächst verweilen, sich aber unter Zuhilfenahme des Fingers wieder zurückdrängen lassen. Hier ist die Blutung eher seltener zu beobachten, diese Patienten leiden häufig unter Juckreiz, Brennen und Nässen. Grad IV ist das höchste Stadium dieser Erkrankung, hierbei sind die Hautwulste am After ständig vorhanden und lassen sich nur schlecht bzw. gar nicht mehr mit dem Finger zurückdrängen. Hier stehen hygienische Probleme, Schmerzen, Juckreiz und Nässen im Vordergrund. Auch hier ist die Blutung eher weniger von Bedeutung.

Lünzmann : Ist es normal, dass nach mehreren Gummibandligaturen immer noch Schmerzen und Blutungen auftreten?

PD DR. SCHMIDT : Die Gummibandligatur ist ein Verfahren, das man bei zweigradigen Hämorrhoiden einsetzt. Die Schmerzen und Blutungen können auch nach mehreren Ligaturen noch vorhanden sein, insbesondere dann, wenn es sich nicht um ein reines zweier Stadium handelt. Man muss auch immer bedenken, dass es andere Erkrankungen des Afters gibt bzw. des Enddarmes, die diese Beschwerden auch verursachen können. Ich würde Ihnen die Durchführung einer Koloskopie empfehlen.

rose_Lucht : Ich habe seit sechs Tagen eine Perianalthrombose. Dagegen nehme Exhirud-Salbe. Ist dies ok?

PD DR. SCHMIDT : Eine Perianalthrombose hat mit der klassischen Hämorrhoidalerkrankung nichts zu tun. Hier kommt es zu einer Gerinnung von Blut in einem Gefäß in der Nähe des Afters, was sehr schmerzhaft sein kann. Zur Auflösung dieses Gerinnsels kann man die von Ihnen genannte Salbe benutzen, es würde auch die Lokalbehandlung durch Eis (Kühlung) ausreichen. Die meisten Perianalthrombosen heilen innerhalb von drei bis vier Wochen spontan ab. Wenn die Perianalthrombose innerhalb von einer Woche nicht deutlich weniger Schmerzen verursacht, empfehle ich meinen Patienten die Operation, sie werden dadurch schlagartig beschwerdefrei, weil dann die Spannung wegfällt.

Paule1 : Mit 56 Jahren habe ich jetzt zwei Knoten, die nicht wehtun. Müssen sie trotzdem entfernen werden? Können sie bösartig werden?

PD DR. SCHMIDT : Knotenbildungen im Bereich des Afters sollten immer von einem Arzt, besser von einem Proktologen gesehen werden. Knoten, die nicht schmerzen, können vergrößerte Hämorrhoiden sein, ob ein Knoten entfernt werden muss oder nicht, kann man nur unter Sichtung des Befundes entscheiden. Im Alter von 56 Jahren sollten Sie unabhängig davon an eine Vorsorge-Dickdarmspiegelung denken, Knoten im Bereich des Afters können auch bösartig sein.

Anika : Ich hatte einen Termin zur ambulanten Behandlung (Longo-Methode). Der Arzt sagte mir, er könne mir nicht versprechen, ob meine Beschwerden (Blutungen, Nässung) damit behoben sind. Was kann ich noch tun, um meine Probleme loszuwerden?

PD DR. SCHMIDT : Die Longo-Methode ist ein operatives Verfahren, hierzu müssen Sie mindestens einen sog. Mucosa Prolaps aufweisen oder ein drittgradiges Hämorrhoidalleiden. Die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Stapler-Methode (Longo) liegt bei über 90 %. Dennoch kann nicht mit endgültiger Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass Restprobleme bestehen bleiben. Sollten meine Formulierungen zutreffen hinsichtlich des Stadiums Ihrer Erkrankung, so ist die Longo-Methode das sinnvollste Verfahren, was Sie jetzt anwenden könnten.

anonym : Bin zum ersten Mal schwanger im 9. Monat und habe nun sichtbare Hämorrhoiden, die schon außen sind. Unglaublich, was so eine Schwangerschaft alles verändert. Gegenwärtig behandele ich die Dinger mit Salbe und Kamilinkonzentrat. Reicht das, oder muss ich noch was unternehmen. Mein Gynäkologe meint, die würden sich nach der Schwangerschaft zurückbilden. Wie lange nach der Geburt weiß man das sicher?

PD DR. SCHMIDT : Ja, Sie haben ein typisches Problem einer Schwangeren. Durch den hohen Druck, den das Baby im Bauch verursacht, kommt es zu Abfluss-Störungen im kleinen Becken, darunter vergrößern sich auch die Hämorrhoiden. Solange Sie keine Blutungen haben oder Schmerzen entwickeln, sollte man nicht anders vorgehen als Sie es jetzt tun. Nach der Schwangerschaft bilden sich vergrößerte Hämorrhoiden normalerweise innerhalb von drei Monaten wieder zurück (90 %). Bei einem Teil der Betroffenen kann es im Gefolge zur Ausbildung von vergrößerten Hämorrhoiden kommen, die man aber erst in einem zeitlichen Abstand zur Geburt auch therapeutisch angehen sollte (je nach Stadium). Denken Sie daran, dass die Afterschleimhaut Medikamente aufnehmen kann, die dann auch in die Muttermilch übertreten können, so dass Sie, wenn Sie stillen möchten, nur Präparate nutzen, die keinen Schaden für das Kind bedeuten. Hier sollten Sie mit Ihrem betreuenden Gynäkologen sprechen.

Axel : Wenn durch die Verödungsbehandlung der Hämorrhoiden Grad I die Beschwerden wie Blutungen, Nässen, Juckreiz immer gebessert werden, ist dann die Behandlung von acht Verödungen im Jahr über einen Zeitraum von drei Jahren in Ordnung? Oder kann diese Behandlungsform irgendwelche Nachteile mit sich bringen?

PD DR. SCHMIDT : Grundsätzlich ist das Vorgehen möglich. Unabhängig davon meine ich, dass bei einer entsprechend hohen Zahl von Verödungen möglicherweise doch nicht das Stadium Grad I vorliegt, sondern vielleicht ein Stadium II oder auch ein sog. Mucosa Prolaps. Ich verfahre grundsätzlich mit meinen Patienten so, dass ich nach drei nicht erfolgreichen Verödungen das Verfahren wechsle, meistens dann aber auch operiere. Grundsätzlich kann die Verödungstherapie beliebig oft wiederholt werden, allerdings sollte der Abstand zwischen der einen und der nächsten Verödung etwa vier Wochen betragen, da bei einer höheren Frequenz Störungen in der Schleimhaut mit Ausbildung von Geschwüren möglich sind.

anonym : Welche Behandlungsmethoden gibt es denn für fortgeschrittenes Hämorrhoidalleiden? Habe jahrelang alles mögliche gemacht, aber es wurde immer größer.

PD DR. SCHMIDT : Das Behandlungsschema für fortgeschrittene Hämorrhoidalerkrankungen sind in der Regel chirurgisch. Die Therapieverfahren richten sich nach dem Stadium. Im Stadium III würde man heute die Stapler-Methode empfehlen, bei viertgradigen Hämorrhoidalerkrankungen entweder eine Kombinationsbehandlung aus Stapler-Therapie und zeitversetzt Abtragung von Hautlappen. Alternativ das Verfahren nach Parks oder Milligan-Morgan. Diese beiden letzteren Verfahren sind im Vergleich zu der Stapler-Methode kurzfristig deutlich schmerzhafter. Abhängig vom Stadium entscheidet der Chirurg, welches Verfahren für Sie am sinnvollsten ist.

anonym : Wie funktioniert denn die operative Behandlung von Hämorrhoiden und für wen kommt sie in Frage?

PD DR. SCHMIDT : Die operative Behandlung von Hämorrhoiden wird durchgeführt ab Grad III, bei Patienten mit einem sogen. Mucosa Prolaps oder therapieresistenten Hämorrhoiden im Stadium II kann man die Stapler-Operation immer empfehlen.

Wittmann : Besteht eine Verbindung zu Krampfadern?

PD DR. SCHMIDT : Die Ursache von Hämorrhoidalerkrankungen sind letztendlich nicht eindeutig geklärt, da jedoch eine Bindegewebsschwäche zu vermuten ist, liegt der Schluss nahe, dass das Auftreten von Krampfadern in einer ähnlichen Häufigkeit bei diesen Patienten zu beobachten sein wird. In der Tat haben Patienten, die an Krampfadern leiden auch häufig Hämorrhoidalbeschwerden, da allerdings 85 % aller Menschen irgendwann in ihrem Leben mit Hämorrhoiden zu tun haben werden, kann dies auch reiner Zufall sein.

anonym : Wie lange muss ich bei einer OP ins Krankenhaus und wann kann ich wieder arbeiten?

PD DR. SCHMIDT : Die Dauer der Einschränkung nach einem operativen Vorgehen am After ist abhängig von der Methode: Longo - zwei bis drei Tage Krankenhaus, eine Woche krank, nach zwei bis drei Wochen wieder voll einsatzfähig. Milligan-Morgan / Parks: Vier bis sieben Tage Krankenhaus, eine bis zwei Wochen krank, nach vier Wochen wieder voll einsatzfähig.

EL_Klar : Ich habe seit etwa zwei Tagen ein haselnussgroßes "Etwas" direkt am Afterausgang (außerhalb), welches ziemliche Schmerzen bei Bewegung und natürlich beim Stuhlgang verursacht. Nach Informationen auf www-haemorrhoiden-forum.de, könnten das Hämorrhoiden des Stadiums IV sein. Das heißt Operation. Gilt das immer oder gibt es da Ausnahmen?

PD DR. SCHMIDT : Wenn Sie einen frischen Befund in der Afterregion feststellen, der insbesondere sehr schmerzhaft ist, spricht das in der Regel gegen eine Hämorrhoidalerkrankung. Hier kann möglicherweise eine sog. Perianalthrombose (Gerinnselbildung) vorliegen. Ich empfehle Ihnen, sich bei einem Proktologen oder auch bei dem Hausarzt Ihres Vertrauens vorzustellen. Das akute Auftreten von Schmerzen ist nur im Ausnahmefall hämorrhoidenbedingt (bei Einklemmung derselben).

Arni_Sat : Durch Muskelanspannungen (20 Mal am Tag), soll man Hämorrhoiden zurückdrängen können. Stimmt das und bis zu welchem Stadium?

PD DR. SCHMIDT : Die Beckenbodengymnastik kann zu einer Verbesserung der Durchblutung und auch zu einer Entstauung von vergrößerten Hämorrhoiden führen, man kann eine Verbesserung auf jeden Fall im Stadium I, manchmal auch im Stadium II erreichen. Patienten mit Grad III Hämorrhoiden profitieren hier eher nicht. Wichtig ist, dass eine richtige Beckenbodengymnastik durchgeführt wird, denn die Erfahrung zeigt, dass das Anspannen in dieser Region ohne Kontrolle teilweise vollkommen wirr durchgeführt wird - dann ohne Effekt!

Marla : Bei mir treten die Dinger dauerhaft aus, bluten nicht, nur zweimal im Jahr und Schmerzen habe ich auch nicht. Soll ich alles so laufen lassen, oder soll ich was unternehmen?

PD DR. SCHMIDT : Grundsätzlich gilt, wenn Sie keine Beschwerden haben, muss man auch nicht unbedingt etwas tun. Wenn Sie Blutungen bemerken oder auch hygienische Probleme haben (Flüssigkeit in der Unterhose, "Bremsspur"), dann sollten Sie etwas unternehmen.

Udo_Retz : Welche Methode ist geeignet für Kinder. Unser Sohn hatte schon mit sechs Jahren (!!) die erste Hämorrhoide. Das ging mit Salben, aber es wird immer mehr. Jetzt ist er 10. Ist die Longo-Methode für Kinder geeignet?

PD DR. SCHMIDT : Das Problem bei Kindern ist anders. Es gibt Kinder, die sehr früh schon Beschwerden im Bereich des Afters haben, allerdings wird nur im absoluten Ausnahmefall hier ein operatives Vorgehen empfohlen. Das Vorgehen mit der Salbentherapie oder auch Kühlung ist hier das sinnvollste. Ich denke, Sie sollten hier ggf. noch einmal mit einem Kinderarzt sprechen, der auf Darmerkrankungen spezialisiert ist. Wenn bei Kindern Hämorrhoidalprobleme auftreten, kann dies auch einmal ein Anzeichen für eine chronische entzündliche Darmerkrankung sein. Die Longo-Methode ist für Kinder ungeeignet.

Ellen_Röber : Ich habe eine Fissur, die trotzt Analdehnung immer wieder einreißt. Was hilft?

PD DR. SCHMIDT : Die Therapie der Analfissur ist die Analdehnung, die Sie bereits durchführen. Die nächste Möglichkeit wäre die Gabe einer Salbe, die ein Nitrat enthält. Nitrate führen zu einer Erschlaffung des Schließmuskels, führen bei Frauen sehr häufig zu Kopfschmerzen, die sich allerdings nach längerer Therapie dann zurückbilden. Sollte dieses konservative Vorgehen nicht helfen und die Fissur den Schließmuskel in der Tiefe erreicht haben, so muss hier ein chirurgisches Verfahren durchgeführt werden. In der Regel wird die Fissur dann ausgeschnitten und der Schließmuskel dann noch einmal gedehnt. Manchmal muss auch der Schließmuskel eingekerbt werden (bei sehr hohem Schließmuskeldruck).

Gerit : Kann man durch eine Proktoskopie entscheiden, ob Blutungen durch ein Anal-Ekzem, einen Afterriss verursacht werden oder durch Hämorrhoiden?

PD DR. SCHMIDT : Die sog. Proktoskopie (Spiegelung des Afters) ist ein Verfahren zur Untersuchung, ob vergrößerte Hämorrhoiden vorhanden sind. Das sog. Analekzem kann man auch ohne die Proktoskope diagnostizieren, bei einem Afterriss wird der Patient es nur selten zulassen, dass man eine Spiegelung durchführt (insbesondere, wenn der Afterriss frisch ist). Bei chronischen Afterrissen ist die Proktoskopie natürlich eine sinnvolle Diagnostik. Unabhängig davon sollte jedoch bei Blutungen des mittelalten bis älteren Patienten immer auch an eine Tumorerkrankung gedacht werden, so dass eine komplette Dickdarmspiegelung ebenfalls anzuraten ist.

anonym : Welche verschiedenen OP-Methoden gibt es und wie unterscheiden die sich?

PD DR. SCHMIDT : Man unterscheidet zwei verschiedene Verfahren. Das Verfahren eins ist die klassische OP-Methode. Hier werden die Hämorrhoiden entfernt, das Verfahren setzt voraus, dass ein Schnitt in der sensiblen Afterregion durchgeführt werden muss, dies führt nach der Operation zu einer deutlichen Schmerzbildung. Das modernere Verfahren (Stapler-Operation) bedeutet einen Eingriff außerhalb dieser sensiblen Afterzone und zwar im Enddarm direkt oberhalb des Schließmuskels wird ein Stück Schleimhaut herausgeschnitten und das herausgerutschte Gewebe sozusagen wieder nach Innen gerafft. Der Vorteil dieser Methode ist, dass hier nach der Operation deutlich weniger Schmerzen auftreten. Der Nachteil ist allerdings, dass im Stadium IV dieses Verfahren nur bedingt zum Einsatz kommen kann.

birte_Schubart : Was ist unter der HAL1-Methode zu verstehen und wie empfehlenswert ist sie?

PD DR. SCHMIDT : Die sog. HAL-Therapie ist ein Verfahren, das bei Hämorrhoiden im Stadium I bis Stadium II Verwendung findet. Man unterbindet hierbei die zuführenden Gefäße im Hämorrhoidalpolster. Dies kann mittels eines speziellen Gerätes (Doppler) erfolgen. Das Verfahren hat eine Erfolgswahrscheinlichkeit von etwa 65 bis 70 %. Der Doppler ist eine Art Ultraschallgerät, der es dem behandelnden Arzt ermöglicht, das Gefäß leichter zu finden. Dieses sog. Dopplerproktoskop hat aber nicht jeder Proktologe / Chirurg.

anonym : Ist man nach einer OP das Problem immer endgültig los?

PD DR. SCHMIDT : Die Erfolgsrate nach einer Hämorrhoidaloperation liegt bei 91 bis 93 %. "Das Problem" ist man in der Regel dann los, allerdings kann es bei etwa 7 % der Patienten zu wiederholtem Auftreten von ähnlichen Beschwerden kommen, das sog. Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung) ist meiner Erfahrung nach meistens auf eine vorher nicht vollständig durchgeführte Operation zurückzuführen. Eine nicht vollständig durchgeführte Operation ist aber nicht unbedingt ein Fehler, denn das Entfernen von Hämorrhoidalgewebe in der Region des Afters muss mit Vorsicht durchgeführt werden, denn eine zu großflächige Entfernung würde zu einer Afterenge führen.

anonym : Welches ist Ihrer Meinung nach die beste OP-Methode und wie oft haben Sie das schon gemacht? Zahlt die Kasse das?

PD DR. SCHMIDT : Die beste OP-Methode im Stadium III ist die sog. Stapler-Operation, hier profitieren die Patienten einerseits von einer schonenden Methode und zum anderen wird durch die Vernarbung einem Wiederauftreten der Beschwerden vorgebeugt. Die Kasse zahlt dieses Verfahren normalerweise. Im Stadium IV ist die OP-Technik nach Parks in meiner Erfahrung die beste Methode, da sie ähnlich hochwertige Ergebnisse wie die Stapler-Operation liefert. Ich selbst habe beide Verfahren schon mehr als 500 Mal durchgeführt.

anonym : Ich habe Hämorrhoiden seit der Geburt meines Sohnes (25 Jahre). Im Laufe der Zeit sind schon Vergrößerungen eingetreten. Behandle sie mit Salbe. Sie sind außen. Blutungen sowie Schmerzen sind zur Zeit nicht vorhanden, was kann man jetzt noch tun? Ursprünglich sollten die ja von allein zurückgehen. Ist eine OP besser?

PD DR. SCHMIDT : Die Hämorrhoiden, die nach einer Geburt auftreten, bilden sich meisten zurück, bei einigen Patienten, wie bei Ihnen, bleiben sie dann leider doch bestehen, wobei ich bei der Beschreibung meine, dass bei Ihnen wahrscheinlich schon viertgradig vergrößerte Hämorrhoidalpolster vorliegen. Viertgradige Hämorrhoiden kann man nur chirurgisch behandeln, solange Sie jedoch keine Beschwerden haben, müssen Sie sich nicht behandeln lassen.

Annelie : Ich bin sehr erfolgreich durch ultimative Hygiene. Meine Hämorrhoiden werden nicht schlechter. Ist da Hoffnung, dass ich den Zustand erhalten kann? Ich habe Stadium II.

PD DR. SCHMIDT : Die sog. ultimative Hygiene ist meistens der Beginn von Analekzemen. Das Motto "Viel hilft viel" ist bei Hämorrhoiden nicht angebracht. Grundsätzlich sollten Sie auf eine gesunde Lebensweise achten (Ernährung ballaststoffreich, viel Trinken, viel Bewegung, Genussgifte wenn möglich meiden). Man sollte in der Afterregion möglichst keine feuchten Tücher (sehr viele Allergene!), keine Seifen und keine Intimsprays benutzen. Bei zweitgradigen Hämorrhoiden können Sie unter Umständen mit einer Beckenbodnegymnastik die Situation leicht verbessern.

GinaScharenberg : Meine Hämorrhoiden bluten viel bei jedem Stuhlgang. Ist das Bluten gefährlich und können Hämorrhoiden auch bösartig werden?

PD DR. SCHMIDT : Die Blutung bei der Hämorrhoidalerkrankung ist typisch. Wenn die Blutungen sehr stark sind, können diese natürlich auch gefährlich sein, weil eine innere Hämorrhoide in den Enddarm bluten kann (hier können sich bis zu einem Liter Blut sammeln, ohne dass man es merkt). Wenn die Blutmenge immer nur gering ist (beim Abwischen zu beobachten, wenig auf dem Stuhl aufgelagert), ist dies nicht gefährlich. Hämorrhoiden werden nicht bösartig. Es besteht jedoch immer die Möglichkeit des Auftretens von bösartigen Erkrankungen im Enddarm / After, weshalb Sie bei Blutungen immer einen Proktologen / Gastroenterologen aufsuchen sollten.

Ludy : Von Zeit zu Zeit habe ich verstärkt Probleme mit Hämorrhoiden. Diese ließ ich dann ein paar Mal bei einem Proktologen durch eine Gummiband-Ligatur abbinden, nach längerer Zeit kommen die immer wieder. Mein Internist sagt, das taugt nichts. Sie könnten zu starken Blutungen führen, die lebensbedrohlich sein könnten. Bitte um Ihren Kommentar hierzu.

PD DR. SCHMIDT : Es ist tatsächlich so, dass eine sog. Gummibandligatur, insbesondere wenn sie abfällt, eine heftige Blutung auslösen kann (etwa 7 bis 10 %). Die Gummibandligatur ist im Stadium II das beste Verfahren, das die Medizin anbieten kann. Wenn ein reines Stadium II vorliegt, so ist die Therapie korrekt. Liegt bei Ihnen jedoch ein Zwischenstadium vor (beginnend drittgradig) oder sogar ein Mucos Prolaps, so würden Sie von einer Stapler-Operation eher profitieren. Ich kläre alle unsere Patienten mit Gummibandligatur über die Möglichkeit einer starken Blutung innerhalb der ersten Woche nach Anlegen des Bandes auf. Sie sollten sich dann umgehend bei uns im Krankenhaus melden.

Kathy : Kennen sie alternative Heilmethoden?

PD DR. SCHMIDT : Sieht man die Hämorrhoidalerkrankung ganzheitlich, so wird man häufig finden, dass diese Patienten Schwierigkeiten mit dem sog. Nierenmeredian haben. Diese Patienten leiden häufig auch an Rückenschmerzen. Es gibt hier eine ganze Reihe von Methoden, die durch Heilpraktiker eingesetzt werden können, Ziel ist immer die Stärkung des Nierenmeredians. Es gibt keine evidenzbasierte Studie, die einen eindeutigen Effekt hat zeigen können im Vergleich zu den schulmedizinischen Methoden. Dennoch, wer heilt hat Recht, wenn Sie Vertrauen haben zu einem Alternativmediziner / Heilpraktiker, sollten Sie dies versuchen.

Hase : Nach einer Hämorrhoiden-OP habe ich starke Verwachsungen im Enddarmbereich, die bei Stuhldrang mitunter so stark anschwellen, dass eine Entleerung nur unter großen Anstrengungen möglich ist. Was ist zu tun, um eine unkomplizierte Stuhlentleerung zu ermöglichen?

PD DR. SCHMIDT : Es gibt nach Eingriffen im Bereich des Afters manchmal Einengungen und Verwachsungen (sehr selten), so dass ich hier Ihnen nur empfehlen kann, sich bei einem Spezialisten vorzustellen. Hier muss ggf. entweder noch einmal eine Dehnung vorgenommen werden, vielleicht sogar noch einmal eine Operation. Diese Frage ist ohne eine fachgerechte Befundung schlecht zu beantworten. Grundsätzlich gilt jedoch für alle Entleerungsstörungen, dass die Einnahme von Abführmitteln, die eine Ausformung einer Stuhlsäule entgegenwirken kontraproduktiv ist.

Hans_UlrichOchs : Vor ca. drei Jahren wurden bei mir Hämorrhoiden verödet. Dabei wurde wahrscheinlich daneben gespritzt und es bildete sich in der Folge ein Abszess. Dieser wurde operiert. Leider ist bis heute die Narbe nicht zugewachsen und von Zeit zu Zeit bildet sich immer wieder eine schmerzhafte Zyste, die sich durch leichten Druck öffnet. Dann sind die Schmerzen vorbei. Die Narbe heilt aber nicht zu. Was kann man hiergegen tun?

PD DR. SCHMIDT : Die Verödungstherapie der Hämorrhoiden sollte normalerweise tief im Enddarm stattfinden, wenn sich hier ein Abszess ausbildet, so ist dies ein relativ schwieriges Erkrankungsbild. Ich kann anhand Ihrer Aussage nicht beurteilen, ob die Zyste im Darm oder außen am After lokalisiert ist. Wenn letzteres zutrifft, so könnte z. B. auch eine sog. Fistel die Ursache für Ihr Problem sein. Bei Vereiterungen im Enddarmbereich sollte ein Spezialist (Chirurg) konsultiert werden.

Kim_Schmidt : Ich bin 59 Jahre alt und leide seit vielen Jahren an Hämorrhoiden. Wie kann ich es verhindern, dass am Darmausgang immer wieder Einrisse passieren, immer wenn es gerade verheilt ist?

PD DR. SCHMIDT : Wenn Sie seit längerer Zeit an Hämorrhoiden leiden, dann ist es ganz typisch, dass sich zwischen den Hämorrhoidalpolstern immer wieder Risse einstellen. Die Hämorrhoidalvergrößerung führt aufgrund er Verschwellung und der Verlegung im Darmausgangsbereich häufig zu Verletzungen, die dann wieder zu den Rissen führen können. Die Therapie wäre ein sinnvolles Angehen Ihrer Hämorrhoidalerkrankung (stadiengerecht). Nach meiner Erfahrung haben Patienten, die häufiger von Rissen geplagt werden, in der Regel ein drittgradiges Hämorrhoidalleiden, so dass bei Ihnen eine Stapler-Operation sinnvoll wäre.

anonym : Ich habe Prostatakrebs und wurde mit Seeds behandelt. Wie können jetzt meine Hämorrhoiden behandelt werden?

PD DR. SCHMIDT : Die Behandlung der Hämorrhoidalerkrankung bei Patienten mit Prostata-Tumoren kann sehr kompliziert sein. Aufgrund der Bestrahlung heilen die chirurgischen Wunden deutlich schlechter ab als bei Patienten, die nicht vorbestrahlt sind. Insbesondere die Stapler-Methode kann hier zu sehr lästigen und schlecht heilenden Geschwüren insbesondere in dem ehemaligen Prostatalager führen. Ich empfehle den Patienten dann, eher auf die Gummibandligatur-Behandlung auszuweichen. Diese sollte dann in einem größeren Zeitabstand als sonst (also sechs bis acht Wochen) zwischen jeder Sitzung erfolgen. Hier sollte ein erfahrener Proktologe befragt werden.

Axel : Besteht ein Zusammenhang zwischen Hämorrhoiden Grad I und einer Analfissur bzw. wodurch wird diese verursacht?

PD DR. SCHMIDT : Hämorrhoiden Grad I sind nicht direkt mit einer Analfissur vergesellschaftet, allerdings findet man zweit- und drittgradig vergrößerten Hämorrhoiden häufig Analfissuren, teilweise auch ohne Beschwerden. Die Analfissur wird meistens durch kleinere Verletzungen am hinteren Anteil des Schließmuskels verursacht, bei nicht geregelter Ernährung (häufige Verstopfung) kann der Durchtritt von hartem Stuhl dann diese kleinen Risse vertiefen und schließlich das Vollbild einer Analfissur erreichen.

petersen : Welche endoskopischen Methoden finden z. Zt. Anwendung?

PD DR. SCHMIDT : Die Therapie der Hämorrhoidalerkrankung kann endoskopisch entweder mittels der Verödung erfolgen oder mit der sog. Gummibandligatur. Bei der ersteren Methode wird ein öliges Mittel an die Basis der Hämorrhoiden gespritzt, es soll über eine Entzündung eine Verklebung und damit Verkleinerung verursachen. Bei dem zweiten Verfahren werden auf die inneren Hämorrhoiden Gummibänder gestülpt, die eine Abbindung und schließlich ein Abfallen der vergrößerten Hämorrhoide verursachen.

Nadja : Ich habe schon unter meiner Schwangerschaft erstmalig Hämorrhoiden entwickelt. Während der Geburt haben sie sich stark verschlimmert, sind jetzt nach ca. 3 Monaten etwas zurückgegangen, aber nicht vollständig. Was kann ich gegen die Aussackungen der Gefäße tun? Können sie sich wieder ganz zurückbilden? (Derzeit benutze ich Hametum Zäpfchen und für die äußere Behandlung Hämoexhirud-Salbe)

PD DR. SCHMIDT : Sie haben sich bisher vollkommen korrekt verhalten, die unter einer Schwangerschaft auftretenden Hämorrhoiden entwickeln sich meisten fast vollständig zurück. Die Therapie mit Hametum-Zäpfchen (oder auch Salbe) ist das Sinnvollste, was Sie machen können. Innerhalb eines Jahres nach der Geburt und wenn Sie nicht noch einmal schwanger werden, haben Sie eine Wahrscheinlichkeit von etwa 93 bis 95 %, dass die Hämorrhoiden sich vollständig zurückgebildet haben.

Scharping : Ich habe vor ca. einem Jahr drei Hämorrhoiden durch Abbinden entfernt bekommen. Dabei wurde festgestellt, dass ich eine Analfissur und einen Riss am Schließmuskel hatte. Nach der Entfernung und Dehnen sind die Fissur und der Riss geheilt. Jedoch habe ich am Afterausgang drei Wucherungen, die sich immer wieder entzünden, was sehr schmerzhaft ist und zu Blutungen führt. Mein Arzt meint, dass sie nur ein Schönheitsproblem sind. Für mich allerdings sind sie eine Belastung. Sollte ich diese Wucherungen doch noch mal ansprechen und sollten diese vielleicht doch entfernt werden?

PD DR. SCHMIDT : Die Wucherungen, die Sie beschreiben, sind in der Regel sog. Marisken (Hautlappen), die in der Tat ein Schönheitsproblem sein können. Wenn Marisken jedoch zu wiederholt auftretenden Entzündungen neigen und / oder der Patient hygienische Probleme hat (der After wird nie richtig sauber), so besteht eine eindeutige Indikation, hier eine Entfernung vorzunehmen. Unabhängig davon sollte jede über längere Zeit bestehende Veränderung am After abgeklärt werden (z. B. durch einen Proktologen).

Axel : Was halten Sie von der Anwendung einer Violettlösung bei entzündlicher Haut im Analbereich? Ist dies hilfreich?

PD DR. SCHMIDT : Die sog. Violettlösung ist ein probates Verfahren bei Entzündungen im Afterbereich (besonders bei Pilzerkrankungen aber auch allergischen Erkrankungen). Hier muss ein Spezialist den Afterbefund vorher gesehen haben. Bei richtiger Indikation ist die Violettlösung hilfreich (es gibt allerdings deutlich modernere Therapieverfahren).

Oddo : Habe Neigung zur Proktitis mit Blutung, was nach dem Stuhlgang oft mit Schmerzen verbunden ist. Nehme Aschebasissalbe für Analdehner. Was halten Sie davon?

PD DR. SCHMIDT : Aschebasis-Salbe hat eine Zinkbasis, grundsätzlich ist dies ein gutes Verfahren für die Entzündungen der Analhaut. Bei der Proktitis ist dies weniger von Vorteil (aber auch nicht schädlich). Ich empfehle meinen Patienten mit Proktitis eine vierwöchige Therapie mit Claversal.

anonym : Ist die Longo-OP-Methode eine erprobte Routine-Operation? Kann ich der Sache vertrauen?

PD DR. SCHMIDT : Die Longo-Methode ist seit nun etwa 10 Jahren im Einsatz, im Stadium III der Hämorrhoidalerkrankung kann man mittlerweile sagen, dass dies der Goldstandard ist. In der Hand des erfahrenen Coloproktologen ist die Longo-Methode erstens eine sichere und zweitens eine erfolgreiche Operation. Fragen Sie Ihren behandelnden Chirurgen, wie oft er das Verfahren bereits durchgeführt hat (mehr als 50 reicht!).

PD DR. SCHMIDT : Die Erkrankungen des Afters sind häufig sehr stark tabuisiert, viele Menschen rücken erst nach längerem Fragen und erst in einer vertrauten Situation mit ihren Beschwerden heraus. Die Zeitprobleme, die man heute in den Arztpraxen hat, führen zusätzlich noch zu einer weiteren Zurückhaltung, so dass Patienten sehr häufig sehr lange sich mit einem Beschwerdebild herumplagen müssen. Ich empfehle allen Patienten, die Beschwerden im Bereich des Afters haben, sich mit einem Spezialisten in irgendeiner Form zusammenzusetzen und dies ggf. auch beim Hausarzt durchzusetzen. Es gibt aktuell gerade in der Proktologie sehr viele einfache Mittel, mit denen Patienten langfristig so hervorragend therapiert werden können, dass die Lebensqualität wieder zurückkehrt. Die Fragen haben mir gezeigt, dass doch ein erhebliches Informationsdefizit vorhanden ist, Sie sollten nicht vor diesem Thema zurückschrecken, die in dieser Erkrankung geschulten Ärzte haben keine Schwierigkeiten damit, sich über dieses etwas peinliche Thema mit Ihnen zu unterhalten. Es gilt jedoch auch hier, nur wenn Sie uns alles erzählen, können wir auch eine sinnvolle Therapie finden.



Ende der Sprechstunde.